Ifo-Institut: Wohnungsbau bleibt 2027 und 2028 weit hinter dem Bedarf zurück
Veröffentlicht · Freitag, 30. Oktober 2026 um 07:14 Uhr
Das Ifo-Institut prognostiziert für die Jahre 2027 und 2028 jeweils weniger als 200.000 neue Wohnungen in Deutschland. Bis 2030 wären jedoch rund 320.000 Wohnungen pro Jahr nötig, um den Bedarf zu decken. Als Hauptgrund für die schwache Bautätigkeit nennen die Ökonomen die anhaltend hohen Baukosten.
## Was ist passiert?
Das Ifo-Institut hat eine neue Prognose zur Entwicklung des deutschen Wohnungsbaus vorgelegt. Demnach wird die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in den Jahren 2027 und 2028 jeweils bei rund 195.000 liegen. Damit bleibt der Neubau erneut deutlich unter der Marke von 200.000 Einheiten pro Jahr. Die Ökonomen verweisen als zentralen Grund für die schwache Entwicklung auf die anhaltend hohen Baukosten, die Bauprojekte für viele Investoren und private Bauherren unattraktiv machen.
## Der Hintergrund
Der deutsche Wohnungsmarkt kämpft seit Jahren mit einer Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts müssten bis zum Jahr 2030 jährlich etwa 320.000 neue Wohnungen entstehen, um den tatsächlichen Bedarf zu decken. Mit einer erwarteten Fertigstellungszahl von rund 195.000 Wohnungen pro Jahr für 2027 und 2028 liegt die Neubautätigkeit damit deutlich unterhalb dieses Zielwerts. Die gestiegenen Kosten für Baumaterialien, Finanzierung und Handwerksleistungen der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass sich zahlreiche Bauvorhaben verzögert haben oder ganz ausgeblieben sind. Diese Entwicklung setzt sich den Prognosen zufolge auch in den kommenden Jahren fort.
## Warum ist das für Wirtschaft und Märkte wichtig?
Eine anhaltend niedrige Bautätigkeit hat weitreichende Folgen für die deutsche Volkswirtschaft. Die Bauwirtschaft ist traditionell ein bedeutender Konjunkturfaktor mit Auswirkungen auf vor- und nachgelagerte Branchen wie die Baustoffindustrie, das Handwerk und den Immobiliensektor. Bleibt der Wohnungsneubau strukturell hinter dem Bedarf zurück, verschärft sich zudem die Knappheit auf dem Wohnungsmarkt in vielen Regionen. Dies kann mittelfristig zu weiter steigenden Mieten und Immobilienpreisen führen, insbesondere in Ballungsräumen mit hoher Nachfrage. Für die Finanz- und Immobilienwirtschaft ist die Entwicklung der Baukosten zudem ein wichtiger Indikator dafür, wie sich Investitionsentscheidungen in den kommenden Jahren gestalten könnten.
## Was bedeutet das für Anleger?
Für Anleger ist die Entwicklung am Wohnungsbaumarkt ein relevanter Beobachtungspunkt, insbesondere im Hinblick auf Immobilieninvestments und Beteiligungen an Unternehmen aus der Bau- und Baustoffbranche. Ein anhaltendes Missverhältnis zwischen Wohnungsangebot und -nachfrage kann sich auf die Wertentwicklung von Bestandsimmobilien sowie auf Mieteinnahmen auswirken. Gleichzeitig bleiben die Rahmenbedingungen für Neubauprojekte angesichts hoher Baukosten herausfordernd, was Investitionsentscheidungen in diesem Segment komplexer macht. Eine individuelle Bewertung der jeweiligen Anlagesituation unter Berücksichtigung der eigenen Ziele und Risikobereitschaft bleibt in jedem Fall erforderlich. Dieser Artikel stellt keine Anlageempfehlung dar.
## Was jetzt wichtig wird
- Wie sich die Baukosten für Material, Finanzierung und Arbeitskräfte in den kommenden Quartalen entwickeln - Ob politische Maßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus beschlossen werden und welche Wirkung diese entfalten - Wie sich die Fertigstellungszahlen 2027 und 2028 tatsächlich im Vergleich zur Ifo-Prognose entwickeln - Welche Auswirkungen die anhaltende Angebotsknappheit auf Mieten und Immobilienpreise in Ballungsräumen hat - Wie sich die Situation auf Unternehmen der Bau- und Immobilienbranche sowie damit verbundene Finanzmarktsegmente auswirkt
Quelle: ZEIT Wirtschaft